Mehr als Luft und Liebe
Jetzt ist es soweit: namhafte deutsche Reise-Blogger gründen ein Kollektiv, um ihre Vermarktung, äh, sorry, die partnerschaftliche Kooperation mit der Tourismuswirtschaft, zu optimieren. Von dieser Notwendigkeit können klassische Reisejournalisten ein Lied singen. Willkommen im Jahr 2012, liebe Blogger.
Im nächsten Leben werde ich auch Reiseblogger. Die coolsten Plätze der Welt bereisen, auf einem hipp gestalteten Blog frei von den Vorgaben eines Verlegers Themen setzen, mit Usern diskutieren und dabei viel Lob für die innovative Form der Publikation einsammeln. Keine Frage, Reiseblogger ist so ziemlich der hippeste Beruf in dieser Branche, den man sich vorstellen kann.
Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Der Job ist in der Regel nicht gerade eine Geld-Druck-Maschine. Der gemeine Reiseblogger ist fast so unabhängig wie wir Journalisten. Mit dem feinen Unterschied (zumindest zu uns fvw-Redakteuren), dass er sich seine Reisen bereits heute gern einmal sponsorn lässt, legt er Wert auf wirtschaftliche Freiheit. Im Frühjahr hatten wir hier dezent die Frage gestellt, ob die Freiheit der Reiseblogger endlich ist. Was passiert, wenn mit der Befüllung eines der zahlreichen toll gemachten Blogs im World Wide Web der Lebensunterhalt langfristig nicht finanziert werden kann?
Jetzt gibt es erste Anzeichen, wohin in der Bloggosphäre die Reise geht. Sieben namhafte digitale Reiseberichterstatter gründen eine Vermarktungsgemeinschaft. So wiederum würden die Sieben ihr Projekt natürlich nicht bezeichnen. Sie sprechen vom Reiseblogger-Kollektiv. Das Thema liegt den Autoren sichtlich am Herzen. Gemeinsam wolle man "partnerschaftliche und langfristige Kooperationen mit der Tourismus-Industrie" angehen, erklären sie.
Was das genau meint, steht dann im Kleingedruckten der Homepage: Bannerwerbung, ganzheitliche Marketing-Strategien und – jetzt kommt´s – "gesponserte Artikel". Liebe Kollegen aus der Bloggosphäre, willkommen in den Sorgen und Nöten der Medienindustrie des Jahres 2012. Wir alle, ganz egal ob Fach- oder Publikumspresse, haben unsere liebe Mühe, den Aufwand für Recherche und Produktion redaktionieller Inhalte zu refinanzieren. Der Hinweis, dass die gesponserten Artikel strengen redaktionellen Richtlinien unterliegen, ist gut gemeint und durchaus glaubhaft. Ein Geschmäckle hat das Angebot dennoch. Das ganze widerspricht dem journalistischen Selbstverständnis.
Keine Frage, Reiseblogs haben die touristische Berichterstattung nachhaltig belebt. Und sie werden das auch weiterhin tun. Schon allein die Interaktion und die Schnelligkeit dieses Mediums hat gegenüber klassischen Printmedien große Vorteile. Der Mythos vom unabhängigen Blogger, der allein nach Lust und Laune seine Eindrücke schildert, ist jedoch arg ramponiert. Und das ist gar nicht einmal schlimm. Denn es wäre langfristig ohnehin nicht gut gegangen. Gute Inhalte finden schließlich immer ihren Weg zum Leser, egal ob über Blogs, bezahlte E-Paper-Lösungen oder hier und da vielleicht doch einmal als Print-Produkt, oder?



danke für die ausführlichen Gedanken über unser Kollektiv. Die Erkenntnis, dass professionelle Blogger ihren Blog nicht von ihrem jährlich einmaligen Urlaubserlebnis (2 Wochen „all inc“ in der Türkei) nähren können ist nicht 2012, sondern sollte weit früher in unseren Köpfen Einzug gehalten haben. Auch das haben wir schon auf dem ITB Podium, dass du ja moderiert hast, besprochen. Und das war übrigens ein Wendepunkt in der deutsche Bloggerszene. Und das ist gut! Die Erkenntnis nämlich, dass AUCH Reiseblogger gern enger mit der Industrie zusammenarbeiten wollen ist nicht neu - die Umsetzung in Deutschland ist aber relativ neu. Und das ist ebenfalls gut! Allen Industrievertretern muss aber deutlich gesagt werden, wie so eine Zusammenarbeit mit Bloggern aussehen kann. Und genau deshalb haben wir uns in dieser Gruppe zusammen gefunden und uns einen Namen gegeben. Zusammen gearbeitet und diskutiert haben wir untereinander schon lange. Und dass wir über Kooperationsmöglichkeiten auf unserer Seite schreiben, ist eine Information an die Branche, die nämlich oft nicht weiß, was sie anfragen kann. Ein gesponserter Post muss zum Beispiel klar gekennzeichnet werden - das ist den Lesern gegenüber fair. Allen anderen Kooperationen liegt - laut unseren eigenen Statuten - eine klare Kommunikation zugrunde. Unterstützungen müssen zum Beispiel deutlich genannt werden, aber UNSERE MEINUNG bleibt UNSERE MEINUNG. Das wird mit der Industrie deutlich besprochen. Vielleicht, lieber Dirk, erinnerst du dich an ein Zitat, dass ich damals während der Podiumsdiskussion gesagt habe. "Es ist 2012, als Unternehmen kann man sich nicht mehr verstecken". Wer kein gutes Produkt hat, läuft Gefahr, dass darüber berichtet wird. in den sozialen Kanäle. Nicht nur von Bloggern. Und ja - auch das war die Konsequenz - die Reiseberichterstattung wird sich ändern und hat sich schon geändert. Es ist ja 2012! ;-)
Liebe grüße, Angelika
Es gibt ein paar Blogs auf der Welt, die es zu "Ruhm und Reichtum" gebracht haben, aber 99,99% der Blogger auf der Welt sind austauschbar.
Und seit den Änderungen am Google-Algorithmus dürfte die Luft für die Blogger eh immer dünner werden.
danke für Deine Gedanken zu unserem Kollektiv! Ich verstehe, dass man das mit den "gesponserten Artikeln" gerne in den falschen Hals bekommen kann.
Genauso wie ihr und andere Medien sich finanzieren, finde ich es völlig in Ordnung, wenn auch Reiseblogger ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Womit? Na, wie ihr doch auch: Werbung und Co. :D
Ob das Ganze dann ein "Gschmäckle" (lass dir von mir als Schwäbin gesagt sein, dass da kein "e" nach dem "G" kommt) hat oder nicht oder ob das dem journalistischen Selbstverständnis widerspricht sei mal dahin gestellt. Da gibt es auf allen Seiten der Medien schwarze Schafe.
Das ist ein Grund, warum wir uns als Kollektiv zusammengeschlossen haben um genau dies auszuschließen, im Moment zumindest für uns sieben. Wir haben gemeinsam bestimmte Richtlinien und Statuten ausgearbeitet und würde uns freuen, wenn unsere Aktivitäten (ganz im Sinne Immanuel Kants), eine Grundlage schaffen, an der sich sowohl andere Blogger als auch die Reiseindustrie orientieren können und die damit vielleicht allgemeingültiger werden können.
wo ist das Problem und was soll imer dieses "Willkommen im Jahr 2012" ? Zahlreiche Medien (und auch die FVW) lassen sich mit zahlreichen Anzeigen, Destinationsmarketing und Sponsoringverträgen ihr Heft finanzieren. Warum soll man das auch nicht online tun?
Das viel größere Problem eines Blogs wird letztendlich der Return-on-Invest sein....bucht ein Kunde wirklich nur weil er einen Reisebericht über die exotischen Erlebnisse eines Reisebloggers gelesen hat?
Gerade geht es in den meisten Unternehmen die sich mit dem Thema auseinandersetzen um Image: "Wir haben auch einen Blog und sind cool" - aber wer letztendlich die Zielgruppe für so viel Content sein soll ist mir noch nicht ganz klar.
das finde ich deutlich transparenter als wenn eine führende Fachzeitschrift Positivartikel über eine Leipziger Reisefirma schreibt und zufälligerweise diese Firma bis zum Jahresende eine Anzeigenserie dort bucht. Ein Schuft wer Böses dabei denkt...
Gute Reiseschreiber sind selten, egal ob sie Blogs schreiben, in Papier abgedruckt werden oder beides. Und es gab schon immer die Masse der Reiseschreiber, die zwar gern auf Pressereisen ging, aber deren Berichterstattung dann eher mäßig war.
Früher gab es "Redaktionsbüros", nun halt ein Bloggerkollektiv. Die Namen ändern sich, das Geschäft bleibt das Gleiche. Und auch die Mühe, die "Guten" zu finden.
Die könnten frei von der Leber weg berichten, befänden sich in keinen Redaktionszwängen, seien hart dran an der Lebenswirklichkeit ihrer begeisterten Follower...
Vielleicht wird deshalb jetzt die "Entzauberung" in vielen Redaktionen doch mit klammheimlicher Freude gesehen. Denn unabhängig von der unbestrittenen Qualität einzelner Blogger müssen eben auch sie entdecken, dass Arbeiten ohne Geld auf Dauer keine rechte Freude macht.
Bis hierhin eigentlich noch kein Thema für ein Forum. Aber die Vermarktungsstrategie des Kollektivs - und jeder sollte bitte wirklich den Link einmal anklicken in Dirks Beitrag - lässt einen als Journalist (!) schon den Atem anhalten. Da rühmt man sich der "erfolgreichen Vermarktung von Destinationen", empfiehlt sich als "Marketingpartner" mit individuellen Strategien und will den Einlader auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen unterstützen. Wow! Noch mal zur Erinnerung: das schreiben Menschen, die sich als journalistische Blogger sehen und die ihre vermeintliche Unabhängigkeit wie ein Mantra vor sich hertragen...
Noch mal: ich bin nicht so weltfremd, dass ich negieren würde, dass es nahezu in allen Medien (auch in der fvw) Grauzonen gibt, die journalistisch getarnte PR darstellen. Ob als Beilage, als Sonderveröffentlichung, Advertorial oder was auch immer. Und leider manchmal auch so dezent, dass der Mediennutzer die Intention dahinter gar nicht sofort klar erkennt.
Aber es sind eben in der Regel große Medien mit einem Standing, das auch mal partiellen Liebesentzug eines touristischen Partners leicht verkraftet, wenn journalistisch (!) nebenbei kritisch berichtet wird.
Können Blogger das auch gewährleisten? Ehrlich? Selbst etablierte Freie Journalisten (sofern sie nicht zu der Handvoll Edelfedern der Branche gehören mit entsprechenden Abnehmern) berichten intern durchaus offen über ihre Schere im Kopf, wenn sie Berichte schreiben. Zu kritisch könnte vielleicht Gefahr bedeuten, beim Einlader auf die Blacklist zu kommen. Und diese Angst sollen Blogger, die immer noch von der Hand im Mund und dem neu spriessenden Wohlwollen der touristischen Industrie leben, nicht haben..??
Also Ihr Lieben, werdet realistisch. Ihr seid nach der unbekümmerten Lust-Kür in der wirtschaftlichen Realität angekommen. Wasch mich, aber mach mich nicht nass - das funktioniert auch bei Euch nicht...
ich kenne nur wenige Leser, die uns Bestechlichkeit vorwerfen. Abzüglich derer, die dazu auch mit offenem Namen stehen, wird die Auswahl derer, die dies anonym tun müssen, sehr überschaubar. Vielleicht sollten wir mal reden? Alternativ können wir natürlich auch einen eigenen Thread zu diesem Thema eröffnen. Ich habe schon eine recht fundierte Meinung hierzu.
Liebe Blog-Leser,
es gibt tatsächlich ein paar Herrschaften, die behaupten, unsere Unister-Analyse in fvw 15/12 wäre durch Anzeigen aus Leipzig beeinflusst. Der Vorwurf, dieser Text wäre einseitig, ist für einen Journalisten nicht schön. Der implizierte Vorwurf, er wäre gekauft, ist schlichtweg ungehörig. Ich bin stolz und froh, bei einer unabhängigen Redaktion arbeiten zu dürfen. Allerdings lehnen wir auch keine Anzeigen ab, nur weil wir in der gleichen Ausgabe kritisch darüber berichten. Ich will nicht verhehlen, dass mich ein solcher Vorwurf sehr nachdenklich macht, zumal er aus durchaus berufenem Mund kam, der zurzeit allerdings für den Dialog offenbar nicht zur Verfügung steht. Dies nur zur weiteren Einordnung, sollten sich hier weitere Horste und sonstige anonyme Blogger verewigen wollen.
Die Frage mit welcher Berechtigung dieses Konstrukt nun für eine ganze Szene sprechen will, sollten sich andere Reiseblogger vielleicht auch mal stellen. Ist das überhaupt eure Meinung, wenn plötzlich ein Reiseblogger KOLLEKTIV zumindest gefühlt mit 7 Hansels eine Branche vertritt und sich diese Rolle auch selbst auf die Fahnen schreibt. Und wie findet ihr die Selbstbezeichnung der "derzeit erfolgreichsten deutschsprachigen Reiseblog-Autoren" - das könnte ja für den ein oder anderen (ebenfalls frei/hauptberuflich handelnden Kollegen) fast schon ein Abmahngrund sein. Was waren denn hierfür die Kriterien? Der Blog von Frau Schwaff spielt in Deutschland allenfalls im unteren Mittelfeld und betrachtet man den persönlichen Blog von Mrs. Hajner so ist dies alles, aber nicht einer der erfolgreichsten Reiseblogs in Deutschland. Die Verknüpfung zum Blog Ihres Arbeitgebers tripwolf mal außer Acht!
Meine persönliche Meinung ist, dass sich die 7 Damen und Herren da arg in das eigene Bein geschossen haben. Natürlich jubeln PR Agenturen von Nord bis Süd und werden mit Kräften die Bekanntheit des Kollektivs unterstützen. Und doch geht bei dieser Aktion eines flöhten - die Unabhängigkeit, die Glaubwürdigkeit und die Leichtigkeit der beteiligten Blogs. Was letztlich dazu führen wird, dass schon in wenigen Monaten genau diese 7 Blogs für ein Unternehmen alles sind, aber nicht mehr interessant. Letztlich wurde also kein Journalistenverbund geschaffen, sondern ein touristischer PR & Marketing Potpourri mit rein wirtschaftlichen Interessen.
Die 7 Namen sind jedenfalls schon vor dem richtigen Motorstart verheizt. Schauen wir wer als nächsten einen mutigen Vorstoß aus der Masse wagt.
Wer guten Content anbietet, kann meiner Meinung nach auch dafür entlohnt werden. Die einen lassen sich mit Abonnements bezahlten, andere durch Anzeigen, wieder andere nutzen die Daten der Leser und Besucher. Wo also liegt das Problem?
Und noch eines wird hier vergessen: Auch (Reise-)Blogger können Kooperationen ablehnen, wenn diese nicht ihren moralischen oder journalistischen Vorstellungen entspricht.
Glückwunsch also zum Vermarktungskollektiv, das bitte nicht als Sprachrohr der Reiseblogger gesehen werden sollte.
Bei gemeinsamen Standards gibt es noch "Klärungsbedarf". Zum Beispiel bzgl. "gekaufter Artikel".
Artikel und Fotos sehe ich einzig und allein als meine Produkte. Für diese Freiheit habe ich mich aus der Welt des Prints verabschiedet und die finanziellen Schwierigkeiten in Kauf genommen. Vielleicht zu früh. Ein gutes Marketingkonzept ist nämlich überlebenswichtig, sonst kann man das beste Blog irgendwann dicht machen.
Das war doch die eigentliche Sensation. Das war, was der interessierte Blog-Fan haben wollte: eine Meinung, frei von werbetreibender Beeinflussung. Mutig geschrieben! Also ich fand Blogger, weil sie öffenltlich sind, bisher immer mutig…
Während Bloggen vor kurzer Zeit noch eine freizeitlich bestimmte Berufung war, avanciert Bloggen nun zu einem finanziell abhängigen Beruf – statt zu einer bewundernswerten brotlosen Kunst. Förderungswürdig aber nur, wenn ich als Werbetreibender ein Interesse daran habe, meine Marke vermeintlich neutral, unabhängig und online zu positionieren. Das Wort „Advertorial“ oder wie auch immer die Bezeichnung lautet, übersieht der Leser sowieso. Also kann ich mir diese glaubwürde Präsenz jetzt einfach kaufen…cool… oder eben auch nicht, denn Leser verlieren Vertrauen wenn sie merken was da stattfindet und wenn für die Nennung von Unternehmen Geld an den Blogger fließt…
Aber schön für den Blogger, wenn er Sponsoren findet, für die man dann durch die Lande tingelt um über Gott und die Welt (und über den Sponsor) zu schreiben. Nur, mit Unabhängigkeit hat das nichts zu tun, da kann man argumentieren wie man will. Das ist schlichtweg und ganz einfach direkt gekaufte Redaktion. Und damit sind die Beiträge letztendlich doch nur wieder von Werbetreibenden beeinflusst und der Spannungsbogen beim Lesen geht in Richtung Null-Linie… und damit kann es auch kein langfristiges Geschäftsmodell sein.
Wenn ich jetzt massiv unsere SEO-Relevanz und Online-PR erhöhen möchte, dann würde ich wahrscheinlich sofort auf Blogg-Sponsoring-Maßnahmen zurückgreifen. Günstiger geht’s nicht. Na ja, darf ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr… wer würde jetzt noch über uns schreiben? Eine Nennung unseres Unternehmens hätte ich aber eigentlich gerne neutral, unabhängig, glaubwürdig - gegenüber allen Lesern. Aber Blogger müssen Geld verdienen, mit der Hand am Stift alleine geht das nicht. Da sage ich nur: Augen auf bei der Berufswahl…
Zum Thema gekaufte Redaktion:
@Dirk Rogl, @fvw, ich bin sicher, dass wir unter allen Mietwagenanbietern in Deutschland, und das seit einigen Jahren in Folge, zu Euren größeren Kunden zählen. Theoretisch Möglichkeit genug, Euch in der einen oder anderen Berichterstattung zu beeinflussen. Das missfällt mir aber schon aus Prinzip!
Viele Berichte gefallen uns nicht, nein gar nicht. Ihr schreibt viel Positives über Wettbewerber, die vielleicht nicht so viel oder gar kein Geld in ihre Markenpräsenz bzw. in die fvw investieren… aber vielleicht gute oder clevere Marketing-PR betreiben und auch etwas zu sagen haben...
Negative Berichterstattung oder etwas aus der spitzen Feder durften wir ja auch schon über uns lesen. Manchmal schreibt Ihr sogar auch über Mietwagenanbieter, die mit der Welt der Reisebüros gar nichts zu tun haben. Dazu gab es vor längerer Zeit auch schon mal leichte Kritik von meiner Seite, das darf man ja mal in Form einer Verständnisfrage tun :-)
Ihr habt Euch aber niemals von unseren, wenn auch geringen, Investitionen beeinflussen lassen oder uns in irgendeiner Weise bevorzugt behandelt. Im Gegenteil: manchmal standen da sogar die anderen Anbieter ganz weit vorne – manchmal wundere ich mich natürlich darüber.
Und weil Ihr es als unabhängiges Fachmagazin genau so tut und Euch nicht reinreden lasst, deshalb seid Ihr in meinen Augen auch glaubwürdig und lesenswert, sonst würden wir ja z.B. unsere Anzeigen zurückziehen. Das ist meine Sicht der Dinge und meine Erfahrung mit Euch – und es sei mir an dieser Stelle verziehen: genauso erlebe ich es auch mit allen anderen Fach-Verlagen.
ich habe mein posting nicht aussschließlich auf touristisch-journalistische Arbeit bezogen sondern auf die allgemeine "Zwickmühle", in der sich journalistische Arbeit befindet. Nähe und Abstand immer so im Gleichgewicht zu halten, um größtmögliche Unabhängigkeit bei gleichzeitiger bestmöglicher Informations- und Recherchearbeit vereinen zu können. Schmierblätter, die nach Gusto des big media spenders schreiben nimmt ja keiner ernst (und dazu, ich schreibe es jetzt mal ausdrücklich, zähle ich nicht die fvw!!!) Bilder, die Redakteure auf pompösen Veranstaltungen aufgereiht mit Entscheidern und Pressesprechern aus diversen Unternehmen zeigen, lassen jedoch Raum für Spekulationen (sorry, dass ist nunmal meine Meinung).
Eingeladen oder Eintrittskarte gekauft? Compliance ist in journalistischer Arbeit eine Frage der Ethik... und der Signalwirkung.
Im übrigen kam hier bisher die Medienkompetenz des Publikums nicht vor... tun und glauben Sie alles, was irgendwo steht, nur weil es "gedruckt" ist? Klar gibt es auch heute noch das vielbelächelte "Wo hast'n das gelesen?" - "Na im Internet!", aber es gibt auch viele Leser, die sich immer wieder fragen, woher eine Information stammen könnte, ob sie belegbar ist, wem sie nutzt usw., und das Gelesene aus mehreren Quellen entsprechend einsortieren können.
Dass da jetzt welche (bzw. die sieben, die ich bisher auch nicht kannte) offen und offensiv damit umgehen, finde ich erstmal gut. Davon auszugehen, dass es Einschränkungen der "Unabhängigkeit" erst gar nicht geben darf, finde ich naiv. Man muss hinter einem nicht-so-ganz-unabhängig-sein-könnenden Handeln nicht gleich böswillige Motive oder Heuchelei wähnen. Soweit war die Diskussion hier aber noch nicht :-)
Also, Horst, was denn nun, eine Fachpresse, die nah an den Entscheidern der Branche ist, oder nicht? Die Kontaktpflege zu Managern und der Austausch mit Pressesprechern ist nun mal Teil unseres Jobs. Sonst könnten wir ja auch nur Pressemeldungen abschreiben.
Und natürlich gehen wir auf jede Menge Abendveranstaltungen. Aber ist die Bahn-Party auf dem fvw-Kongress, um mal ein gutes Beispiel für ein Branchen-Event zu nennen, "pompös"? Ich bin jedenfalls bald schon wieder auf pompösen Bildern zu sehen: Mit 40 deutschen Touristikern (Expedienten und Veranstalter-Experten) auf dem fvw Workshop in Ägypten. Und falls jemand neidisch ist: Es konnte sich jedes deutsche Reisebüro bewerben! Wir nehmen sogar Leute mit, die Horst heißen :-)
Allerdings das was hier verurteilt wird ist in den USA schon längst vollzogen. Auch gibt es Reiseblogger die mittlerweile Konzepte und Strategien für Unternehmen erfolgreich entwickeln.
Man möge die Formulierung der Gemeinschaft als unglücklich bezeichnen aber sie ist zumindestens ehrlich!
Auch ist z.B. Johannes Klaus ein unbeschriebenes Blatt denn er hat mit seinem inspirierenden Reiseblog "Reisedepesche" den Online Grimme Preis 2011 gewonnen und das zurecht (ganz zu schweigen von seinen Vorträgen die dieser Industrie gut täten zuzuhören um wieder zu verstehen was Reisen eigentlich wirklich bedeutet)
Ich denke wenn es die Glaubwürdigkeit wirklich brechen sollte ....dann wird es sich eh nicht durchsetzen....aber das ist noch lange nicht raus!
Gruß
Buller
Ps. evtl.sorgt die FVW dafür das annoyme Einträge hier rausfliegen.....immerhin sollte man das was man sagt durchaus mit dem eigenen Namen vertreten können!
@Michael Buller: Wir haben bewusst eine Zweiteilung: Die News auf fvw.de sind nur nach Anmeldung mit Klarnamen zu kommentieren. In unseren Blogs sind wir da etwas lockerer. So kann z.B. auch ein Mitarbeiter kommentieren, wenn es in dem Blog um seinen Arbeitgeber geht. Wenn da anonym mal über's Ziel hinausgeschossen wird, halten wir das aus oder greifen notfalls ein.
Ich finde es sehr mutig, wenn heutzutage Leute in die ungewisse Zukunft starten es als professioneller Blogger zu versuchen, oder als freier Reisejournalist, genauso mutig. Oder als Redakteur in einer Zeitschrift, wie oft gehen die auf Reisen? Jeweils eine Handvoll ist erfolgreich.
Deswegen hoffe ich persönlich von meiner Job-Seite, die erfolgreichen Schreiber dafür zu gewinnen über meine Kunden zu schreiben; und auf der anderen Seite bin ich froh, als Hobby ein Blog zu betreiben, das tatsächlich begeisterte Leser hat.
Aus dieser Position meine Gedanken zu der Diskussion:
Meiner Meinung nach können Leser inzwischen sehr wohl akzeptieren, wenn Artikel in Blogs gesponsort sind; wenn diese zum Thema des Blogs passen, einen Inhalt haben und gekennzeichnet sind. Oder dass Reisen gesponsort werden. Die Leser lesen kostenlos und sollten daher verstehen, dass der Schreiber irgendwie Geld verdienen muss.
Unter wie vielen gedruckten Artikeln steht, dass der Schreiber eingeladen war? Wie viele Advertorials sind nicht als Anzeige gekennzeichnet?
Wie viele Pressemeldungen werden verschickt ohne einen wirklichen Neuigkeitswert zu haben?
Wie viele Leute lädt man zu einer tollen Pressereise ein, und Monate später erscheint ein Text, der 1:1 aus der Pressemappe abgeschriegeben bzw ge-copy-pasted ist?
Zum Thema böse Kritik: die meisten Reiseberichte in Blogs, die ich lese, sind überaus positv und begeistert! Höchstens am Rande negativ, wenn es angebracht ist. Stattdessen Begeisterung über das Flugzeug, die Hotelzimmer, das Badezimmer, das Frühstück und von allem Fotos dazu - in den gedruckten Artikeln ist oft ja nicht einmal Platz, das Hotel zu nennen, wo während der Pressereise übernachtet wurde!
Ob die 7 die derzeit führenden und besten Reiseblogger sind, möchte ich nicht kommentieren, auf jeden Fall zählen sie zu den engagiertetsen und zu denen die Ordnung in das Chaos namens "Wir müssen was mit Bloggern machen" bringen.
Es ist Wahnsinn, wie viele PR Agenturen mir als Privatperson mit einem Privatblog ungefragt alle paar Tage Pressemeldungen schicken - mit einem dicken "Bitte schicken Sie uns ein Belegexemplar" drunter. Haben die jemals mein Blog angesehen und darüber nachgedacht, was ein Privatblogger mit Pressemeldungen machen soll? Wenn durch den Dialog von Industrie und "Kollektiv" alle ein wenig mehr von einander lernen, ist meiner Meinung nach viel geholfen. Und es ist in aller Sinne, wenn Blogger und Journalisten von ihrem Schreiben leben können, damit Leute zum Reisen animieren und damit wir alle unsere Brötchen verdienen können.
Herr Hildebrandt, danke für die Klarstellung. Das Kommentarfeld unter den fvw-Blogbeiträgen ist m.E. ein Musterbeispiel für Engagement und Sachlichkeit - erst recht, wenn man es mit den Kommentarusancen anderswo vergleicht. Dass Sie Beiträge anonym und ohne technischen Redaktionsvorbehalt annehmen, verdient Respekt. Zumal das ja mit einigen Rechtsrisiken verbunden ist.
Herr Buller, lassen Sie sich immer den Personalausweis zeigen, bevor Sie mit jemand reden, sagen wir auf einer Messe, im Stadion oder in einer Kneipe? Ich weiß, Anonymität (und, gerne übersehen: fehlende physische Präsenz) im Internet ist ein Riesenthema und hier off-topic. Aber einfach mal einen Blogbetreiber aufzufordern, und das praktisch im Anweisungston, von Ihrer eigenen Meinung abweichende Beiträge zu löschen, finde ich ziemlich $%&# pardon: unsouverän wollte ich sagen.
Stellung nehmen will ich hier eigentlich nur zu den zwei letzen Kommentaren, da ich die Idee des Kollektives noch die bisherige Diskussion werten möchte:
Herr Kindlimann ist mein Chef bei L'TUR - das ist richtig - selbstverständlich verfolge ich als Blogger und Agenturleiter eines Reisebüros auch Beiträge des fvw und vielen weiteren Webseiten. Zu diesem Beitrag hier habe ich intern (auf Nachfrage) auch einige Ideen angestossen.
Gerade die Kommentare hier, geben wertvolle Inputs darüber, welche Sorgen, Gedanken und Hoffnungen von Lesern, Schreibern sowie Partnern der Reiseblogs zum Thema Blogs im allgemeinen und Reiseblogs im speziellen zur Zeit aktuell sind.
Der Kommentar von Andreas habe ich bis vorhin nicht gesehen, da ich am Sonntag ausnahmsweise mal so gut wie offline war (untypisch für einen Blogger, aber es kommt vor ;) ). Wenn er hier meinen Blog empfiehlt, ist dies die persönliche Meinung, nehme ich an.
Ob mein Blog ein positives Beispiel ist oder nicht, wird jeder für sich beurteilen dürfen. Zumindest deklariere ich jeweils sehr klar, welche Reisen gesponsert und welche selbst finanziert sind (Der Schnitt ist in etwa 60/40). Ausserdem versuche ich, mit Ideen wie den Cockpitvideos und dem angesprochenen Montagsgespräch eine breite Masse an interessierten Lesern zu "unterhalten/informieren". Dies mag in der Mehrheit gelingen, aber sicher auch nicht bei allen.
@Sabrina Schwab, für welches Unternehmen arbeiten Sie den genau (Dürfen Sie mir natürlich auch privat mitteilen auf info@tkkg.ch )? Ich schreibe so gut wie nie Unternehmen aktiv an und wenn, dann weiss ich, das die jeweiligen Projektideen dem Leitbild eines Unternehmens entsprechen und auch wirtschaftlich interessant sein könnten.
Was definieren Sie den genau als "Inbegriff eines gekauften Blogs"? Das wäre doch mal interessant zu lesen. Von 19 Reisen, in den letzten 20 Monaten, hat mein Arbeitgeber genau 2 unterstützt. Die restlichen Reisen fanden unabhängig von meinem Arbeitgeber statt (Urlaubszeit, privat finanziert, andere Reisepartner). Daher kann ich mir Ihre Äusserung " von Ihrem Arbeitgeber im Speziellen" nicht wirklich erklären.
Auf Ihre persönliche Beleidigung betr. Rechtschreibung gehe ich nicht ein, hier lassen Sie schlicht Anstand und Höflichkeit vermissen - schade eigentlich.
P.s. Denken Sie nicht, wenn Herr Kindlimann hätte verschleiern wollen, das er für die selbe Firma arbeitet, er dann unter einem Pseudonym geschrieben hätte, so wie dies hier leider viele tun?
Also: X lobt das Reiseblog von Y, alles mit Klarnamen (nehme ich an). Sofort weist aber jemand darauf hin, dass X ein angestellter Touristiker und Y sein Chef ist. Bevor sich noch irgendjemand eine eigene Meinung über Ihre Site machen kann, fliegt Ihnen das "cui bono?"-Argument und als Würze eine pfeffrige "ad hominem" Attacke um die Ohren: Klar, das *muss* doch gekauft sein! Und kein Mensch fragt mehr nach der Qualität Ihrer Arbeit oder Ihrer "inneren" Unabhängigkeit.
Mit anderen Worten: Aus einer vielleicht plausiblen, aber durch nichts belegten Unterstellung werden Schlüsse gezogen und aus diesen werden Meinung und Handeln abgeleitet. Wozu noch reisewerk.ch aufrufen, ist doch eh schon alles klar. Ohne dass Sie irgendetwas falsch gemacht hätten oder mit Sachargumenten dagegen noch etwas tun könnten.
Alles wegen der Klarnamen.
Das funktioniert natürlich auch umgekehrt: Wenn eine anerkannte Autorität etwas lobt, finden das gleich ganz viele auch klasse, ohne es zu kennen oder geprüft zu haben - ja wenn der das sagt....?
Das Problem ist ja, dass Sie Autoritätsgläubigkeit und die cuibono-Unterstellungen nicht aus der Welt kriegen, egal ob Sie anonyme Kommentare erlauben oder verbieten. Man prüfe erst das Argument, dann die Person und die Intention des Sprechers. Macht halt kaum jemand.