Passbook ist die Eintrittskarte für iTravel
Wann steigt Apple in die Touristik ein? Mit der Vorstellung von Maps, Passbook und dem erweiterten Siri beschränkt sich die Spekulation nach Apple iTravel primär auf den Zeitpunkt seiner Premiere. Es wäre kaufmännisch grob fahrlässig, wenn die Nachfahren von Steve Jobs den Reisemarkt sausen lassen.
Die Spekulation, auch in diesem Blog, ist so alt wie die Anmeldung des iTravel-Patents von Apple vor rund zwei Jahren: Apple führt einen eigenen Reise-Marktplatz ein und mischt damit den touristischen Markt auf, ähnlich auf wie zuvor das Musik- und Mobilfunkgeschäft. Noch immer finden sich im Netz, mit Ausnahme der Patent-Anmeldung, keine offiziellen Spuren für iTravel. Doch mit der Präsentation des neuen Betriebssystems iO6 werden viele Dinge klarer.
Das neue iOS kann (fast) alles, was ein über mobile Applikationen gesteuerter Reisemarktplatz leisten sollte. Es verfügt künftig über einen Kartendienst, auf dem lokale Inhalte gesammelt und verknüpft werden können, und zwar unabhängig vom heutigen Platzhirschen Google Maps. Es ermöglicht eine intuitive Bedienung auch über die Sprachsteuerung Siri, die von Herbst an bereits Restaurant- und Kinodatenbanken anzapfen kann und sicherlich bald in der Lage sein wird, etwa Hotel- und Fluginformationen verbal einzuordnen.
Vor allem aber verfügt iOS6 erstmalig über eine Regalfäche, die wie gemacht ist für touristische Produkte. Via Passbook können Apple-Kunden ihre gesammelten Tickets zentral verwalten. Apple spricht von Rabattgutscheinen, Kinotickets aber eben auch Bordkarten für Airlines. Von Hotelvouchers ist nicht die Rede. Aber auch hier gilt das eingangs gesagte: Es wäre aus Sicht Apples grob fahrlässig, wenn sich in Passbook nicht möglichst sämtliche touristischen Produkte vereinigen ließen.
Es ist auffällig, wie konsequent Apple zum Thema iTravel schweigt. Das ist bekanntermaßen Stil des Haues. Wer aber derartig aufwändig ein neues mobiles Betriebssystem konzipiert, das wie gemacht ist für den Reisevertrieb, ohne die vermeintlich wichtigsten Marktsegmente für seine neuen Anwendungen beim Namen zu nennen, der macht sich verdächtig.
Passbook ist tatsächlich vorerst nur eine Art mobile Brieftasche. Die patentierte iTravel-Technologie ist viel mehr. Sie ermöglicht die automatische Erfassung des Reisenden mittels berührungsfreier NFC-Technologie. Die ist wie gemacht für die intelligente Abrechnung von Reisen etwa im Nahverkehr oder im Fernzug. Und sie eignet sich hervorragend für den automatischen Check-In im Hotel.
Mit der Kombination von NFC und iTravel sowie dem Fulfilment über den bestehenden iTunes-Store, in dem schon heute quasi jeder iOS-Nutzer seine Kreditkarte hinterlegt hat, hätte Apple fast die komplette Wertschöpfungskette des Reisevertriebs integriert. Im Prinzip fehlen nur noch zwei Dinge:
1. Der Content und das Geschäftsmodell. Eine spannende Frage ist, wer bei Apple ins Sortiment kommt. Anders als Google hat der Konzern in anderen Märkten keine Hemmungen gezeigt, selbst als Händler aufzutreten. Mit iTunes verfügt das Unternehmen über einen sehr etablierten Marktplatz.
2. NFC-fähige Smartphones. Anders als die Android-Konkurrenz hat Apple seine iPhones und iPads noch nicht mit der NFC-Technologie ausgestattet. Apple-Insider hatten dies bereits für das aktuelle iPhone4 erwartet.
Bislang hat Apple jedes neue iPhone mit einer echten Killer-Applikation ausgestattet. Was Siri beim aktuellen iPhone4S könnte iTravel beim mit Spannung erwarteten iPhone5 werden. Wie wäre es mit einem NFC-Chip, abgestimmt auf eine Reise-Applikation namens iTravel, die wie selbstverständlich Passbook, die neuen Landkarten und die ausgebaute Siri-Sprachsteuerung nutzt?
UPDATE 13. September 2012: "Bislang hat Apple jedes neue iPhone mit einer echten Killer-Applikation ausgestattet..." So war das bislang. Bei der iPhone5-Präsentation gestern war es anders. Warten wir also auf das iPhone 5N, wann immer es kommen mag.



Und auch wenn der mobile Markt auch für Reiseleistungen wächst, möchte ich eines Anmerken: Bei allem Hype um Iphone & Ipad etc, Apple ist nur ein kleiner Teil einer Industrie. (Sicher mit den besten Zahlen)
Aber in der Reiseindustrie wäre Apple ein Stecknagelkopf und zwar ein glänzend neuer! Google versucht seit Jahren den Reisemarkt "aufzuräumen" und was ist passiert? Meine Verwandten jedenfalls haben weder vom Google-Hotel-Finder noch von Siri jemals gehört ;)
Ich habe auch noch keine Onlineseite gesehen, deren Priorität es war, hochwertigere Produkte zu verkaufen, immer geht es um billig, nicht mal um "preiswert". Nur wenn Otto-Normalnutzer hochwertige Produkte sucht, findet er diese natürlich - aber "verkauft" bekommt er sie bisher nur im Reisebüro.
Passbook ist der Schritt vor "Passport"? Brauchen wir bald keine Reisedokumente mehr? Alles ist elektronisch auf dem Smartphone? Was heute noch bescheuert klingt, hat klare Vorteile für Passkontrollen & Co. Die Daten werden per NFC (bzw. RFID) digital übermittelt, der Reisende muss nicht mal mehr den Pass rausholen. Auch am Flughafen haben Bordkarten und Barcodescanner bevor sie sich richtig durchsetzen bald ausgedient - das ist logische NFC-Konsequenz, da braucht es noch nicht mal eine Christallkugel...
Leider hat bis anhin der Konkurrenzkampf fast ausschliesslich über den Preis stattgefunden und das hat sich die Reiseindustrie selbst zuzuschreiben. Der Kunde wurde von allem Anfang an auf diese Weise umworben und aus diesem Kreis nach unten auszubrechen ist sehr schwierig. Auch in Zukunft werden kaum die Hochpreis Produkte wie eine Safari oder multi-Destinations Europareise aus Uebersee oder umgekehrt, via Mobilkanäle verkauft. Hier werden Reisebüros, vorausgesetzt sie sind entsprechend ausgebildet und qualifziert, weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Was allerdings leicht entbündelt und als Einzelkomponente verkauft werden kann wird bald nur noch über Online abgewickelt werden. Hier, und dies ist nach Volumen das grösste Geschäft werden Branchenexterne wie Apple oder Google mitmischen.
Wer sich für innovative Reisebuchungen auf dem iPad interessiert, kann den ersten Schritt zur Buchungsplattform der Zukunft bei unserer iPad App ausprobieren. Sie ist zu finden unter: http://itunes.apple.com/de/app/itravel-traumreisen....
Hallo Axel,
ich glaube nicht, dass Apple es sich nehmen lässt seine Schöpfung iTravel zu nennen. Sie haben das System bereits patentieren lassen (hier der Artikel dazu ---) und heutzutage fällt es großen Unternehmen ja bekanntlich nicht schwer, einfach mal so das zu bekommen, was sie wollen. Da muss man schon fast aufpassen, dass sie einen nicht verklagen, weil man ihnen die Idee zu dem Namen geklaut hat...
Aber man kann es auch positiv sehen. Wenn das Ganze dann doch iTravel heißen sollte, bekommst du mit Sicherheit mehr Traffic auf deiner Seite. ;)
Viele Grüße
Frank
Anm. d. Red.: Der in dem Text genannte fehlerhafte Link wurde nachträglich von der Redaktion deaktiviert
nochmals zur Klarstellung: den Namen itravel führen wir seit 2004, unser US-Ableger seit 1998. Wir sind also unverdächtig, den Namen "geklaut" zu haben. Und auch ein so erfolgreiches Unternehmen wie Apple muss sich an das Gesetz und die Rechtsprechung halten.
Apple hat unsere App ja bereits im itunes store genehmigt, sie ist dort erhältlich. Zudem sind wir Finalisten für einen angesehen Award, dem Mobilebeat Award von Venturebeat, einer der führenden Publikationen der digitalen Industrie in den USA. Als einziges deutsches und eines von zwei europäischen Unternehmen übrigens.
mir fiel auch spontan beim Lesen des Artikels ein, dass Du doch schon lange unter dem Namen agierst. Ich denke auch, dass Apple einen anderen Namen finden muss oder der Name ist für Apple so sexy, dass sie Dich gleich komplett mit aufkaufen wollen... ;-)
Viele Grüße
Sven Maletzki