Shit happens
240 Euro Rabatt auf alle Flüge: So großzügig hätte Alitalia lieber nicht sein sollen, und wohl auch nicht wollen. Der Carrier bemüht sich gerade um Schadensbegrenzung für eine Rabatt-Aktion in Facebook. Schuld an der Panne ist übrigens nicht Facebook, sondern der Rabatt selbst.
Eins ist sicher in den Weiten des World Wide Web: Wann immer ein spektakulärer Rabatt auftaucht, verbreitet er sich in Windeseile. Speziell für seine Kunden in Japan hat Alitalia am Freitag über Facebook einen Gutschein in Höhe von 25.000 Yen, rund 240 Euro, ausgelobt. Das ist unverschämt viel. Allerdings relativiert sich der Discount, wenn er, wie offenbar geplant, tatsächlich nur für Alitalia-Flüge ab Japan gültig ist. Die Dienste von Osaka und Tokyo nach Europa sind relativ teuer. Da spielen 240 Euro Discount keine Rolle.
Ganz anders ist die Sache, wenn der Gutschein-Code versehentlich für das komplette Streckennetz freigeschaltet ist. Kaum ein Japaner fliegt von Frankfurt nach Rom. Aber Dank moderner Übersetzungssoftware waren solche Flüge am Wochenende eben auch für die europäische Kundschaft auf der japanischen Promotion-Site von Alitalia buchbar. Der Carrier ringt nun mit seinem Schicksal und um eine Stellungnahme. Er hat offenbar massenhaft bereits ausgestellter Tickets wieder storniert und das teils mit spektakulären Argumentationsketten. User berichten von nachträglich geänderten Teilnahmebedingungen (sprich: "nur ab Japan") und der Begrenzung des Teilnehmerkreises auf Inhaber japanischer Kreditkarten, welche angeblich bei der Buchung gar nicht hinterlegt werden mussten. Die Details hierzu gibt es auf fvw.de.
Wie auch immer die Sache ausgeht: Alitalia hat im Social Web einen massiven Imageverlust erlitten. Die Sache wird auch nicht besser mit der parallel in Europa promoteten Discount-Aktion. Hier gibt es 25 Prozent Nachlass auf dann tatsächlich alle Strecken, buchbar allerdings nur auf Alitalia.com und nicht im Reisebüro. Immerhin: Die Vertriebspartner müssen nicht den Ärger ausbaden, der auf die Italiener niedergeht.
Mich bestärkt der Vorfall in der Annahme, dass Facebook-Fanpages ein denkbar schlechter Weg für Rabatte sind. Selbstredend ist so eine Fanpage ein öffentlicher Raum. Gutschein-Codes sind generell schwierig, eben weil sie sich so schnell verbreiten. Viele Web-Portale haben sich darauf spezialisiert, derartige Codes zu listen, die per Mail-Newsletter im halbgeschlossenen Raum an die Kundschaft geschickt werden. All das ramponiert das Preisbild, es grenzt die Vertriebspartner in den Reisebüros aus und, siehe hier, es erreicht die falschen Empfänger und führt dann auch noch zu Ärger.
Wenn schon ein Rabatt, dann bitte persönlich. Beispiel gefällig? Die Kollegen des britischen Portals Business2Community.com berichteten jüngst vom Fall eines Herren namens Thomas Cook, der mit Lowcostholidays auf Gratis-Urlaub gehen durfte. Mr. Cook, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Erfinder der Pauschalreise, hatte sich zuvor auf der Fanpage von Thomas Cook UK in humorvollem Ton um eine Kompensation seiner Namensgleichheit bemüht. Er sei dafür verspottet worden, so lange er denken könne und erbitte sich nun einen Gratis-Urlaub. "Leider nicht möglich", antworteten die Cookies in knappem Ton.
Man habe vollstes Verständnis für diesen Wunsch, texteten daraufhin die Mitbewerber von Lowcostholidays. Vorsorglich verspreche man Gratis-Urlaub für jeden, der Lowcostholidays heiße und angesichts der angepannten Finanzlage der Kollegen in Petersborough ausnahmsweise auch für Mr. Thomas Cook. Wie gesagt, ich bin kein Freund von Rabatten. In diesem Fall wäre es für Thomas Cook UK gewiss eine lohnenswerte Investition gewesen, zumindest lohnenswerter als der Massen-Discount für Alitalia.



Falsch. Man muss es nur richtig machen. Positive Beispiele gibt es dafür mittlerweile schon mehr als genug.
Die meisten der Gutscheinnutzer haben nun mal nur gebucht, weil es kostenlos war und würden sonst so oder so nicht mit Alitalia fliegen. Der Imageverlust für die wirkliche Zielgruppe der Airline hält sich daher auch hier in Grenzen. Daher kann ich auch nachvollziehen, dass man nicht Tickets im Wert von mehreren Millionen Euro verschenkt (gerade bei der finanziellen Lage der Alitalia).
Lächerlich finde ich übrigens solche Behauptungen, dass Alitalia sich durch die Aktion Tausende Kunden verprellen würde. Auf Kunden, die niemals einen positiven Deckungsbeitrag bringen, kann sicherlich jede Airline verzichten.
Und wie ChrissFlyer zu behaupten, dass die tatsächlichen Betriebskosten für einen Flug von Frankfurt nach Rom eh nur bei 20 Euro liegen und die Airline dann die Buchung doch ruhig hätte akzeptieren könnte, finde ich utopisch. Ich empfehle hier mal einen Grundkurs BWL und einen tieferen Einblick in die Kostenstrukturen von Airlines.
Zu solch starken Reaktionen der Netzcommunity würde es sicher nicht kommen, wenn Alitalia einfach eingestanden hätte dass es menschliches Versagen war.
Übrigens hat Alitalia das Problem, dass auch Flüge aus und in die USA betroffen sind. Dort gibt es sehr weitgehende Verbrauchergesetze "Aviation Consumer Protection" welche die Rechte von Fluggästen in solchen Fällen stärken. Erste Klagen werden laut einigen Blogs schon vorbereitet.
Bei ganz anderen Dingen zeigt sich jedoch die Abhängigkeit in der Touristik von einzelnen Technikanbietern:
Beim jüngsten Zwangsupdate von Bistro wurde eine kaputte Version aufgespielt die sowohl grafisch wie auch technisch defekt ist und durch die völlige Nichtfunktion einzelner Veranstalter schnell mal jemanden in die Insolvenz bringt !
Heutzutage will man als OnlineMarketeer doch das solche Aktionen "viral gehen".
Dann muss man aber auch vorher genau einschätzen können wie/wo/wann das geschieht und was passieren kann.
Alitalia hat in den letzten 20 Jahren nicht gerade dein Eindruck vermittelt toll im Marketing zu sein. Daher kann man wohl davon ausgehen, dass die Aktion aus der Feder eine Agentur stammt, die keinen blassen Schimmer von Touristik oder Flug hat!