Gleiche Reisepreise auf allen Portalen – noch

Danke, Kayak! Mit einem neuen Preisvergleichssystem für Pauschalreisen unterstreicht der Metasearcher die Annahme, dass Pauschalreisen in allen Reisebüros den gleichen Preis kosten. So regelt es das Handelsgesetzbuch. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und wie lange gilt eigentlich die Regel noch?

Jetzt ist er da, der lange angekündigte Pauschalreise-Preisvergleich von Kayak Europe. Kayak ist bekanntlich Weltmarktführer unter den Metasearch-Systemen für Flüge. Dort gibt es massive Preisunterschiede, anders als in der Pauschalreise, wo das Handelsgesetzbuch die Preishoheit des Veranstalters (sprich Handelsherrn) verbindlich festlegt. Das Gesetz soll dem preislichen Wettbewerb der Handelsvertreter bewusst einen Riegel vorschieben.

Jetzt aber vergleicht Kayak die Veranstalter-Preise der Online-Reisebüros. Am heutigen Tage wurden die Preise von Opodo.de, FTI.de und dessen Ableger 5vorflug.de, Lastminute.de sowie der Comvel-Seiten Weg.de und Ferien.de abgerufen. Ein erster Test (Hamburg–Rom, vier Tage, ab 26. Oktober) überrascht nicht. Es gibt keinerei Preisunterschiede. Und das entspricht der gängigen Lehre. Preisdifferenzen sind schlichtweg verboten. Oder doch nicht?

Eben nicht! Und das hat in diesem Fall mehrere Gründe:

  • Neben den genannten Online-Reisebüros zapft Kayak auch die Dynamic-Packaging-Angebote von Expedia.de an. Jene Click-&-Mix-Reisen (z. B. das Blau Punta Reina auf Mallorca) gibt es bislang exklusiv auf Expedia.de. Speziell für Kayak, und künftig vermutlich auch für andere Vertriebspartner, hat Expedia offenbar einen Teil seiner Angebote vorproduziert um sie so vergleichbar zu machen. Es kommt häufig vor, dass sich die auf Kayak angezeigten Reisepreise nach der Weiterleitung auf Expedia.de ändern. Fast in jedem Fall aber brechen die Angebote den preislichen Einheitsbrei anderer Online-Reisebüros. Das ist gut für Expedia, die zumindest bislang nicht nach den Regeln des Handelsvertreterrechts arbeiten.
     
  • In selten Fällen gibt es dann eben doch Preisunterschiede unter den Portalen. Zwar zapfen alle zur Zeit verglichenen Online-Reisebüros die identische Veranstalter-Datenbank von Traveltainment an. Aber nicht jeder hat jeden Veranstalter im Sortiment. Die Unister-Tochter Urlaubstours gibt es aktuell offenbar nur auf auf Weg.de (etwa für das Holiday Inn in Wandsworth, UK), was das Comvel-Portal in einzelnen Fällen nach vorn bringt.

Es mag weitere Punkte geben, die in Zukunft zu Preisunterschieden im Veranstalter-Vertrieb führen können. Den vielleicht wichtigsten Punkt behandeln wir in der an diesem Freitag erscheinenden fvw 21/12. Die langsam aber stetig in Schwung kommende Y-Produktion der großen Reiseveranstalter auf Basis des DRV-Datenstandards ist in den Buchungssystemen von Traveltainment nur bedingt darstellbar. Jenseits der bei Traveltainment beheimateten X-Veranstalter tun sich aktuell eine Vielzahl neuer Technologien auf, die die dynamische Produktion von Pauschalreisen ermöglichen. Wer es schafft, diese neuen Angebote verlässlich vergeichbar zu machen, ist klar im Vorteil.

Bislang hat es herzlich wenig Sinn gemacht, die stets gleichen Preise der Pauschalveranstalter vergleichbar zu machen. Doch die Zeiten ändern sich. Zum heutigen Tage ist der Pauschalreise-Vergleich von Kayak allenfalls ein hübsches Gimmick. Einzig erkennbarer Vorteil ist die Integration der Click-Mix-Angebote von Expedia in die klassische Pauschalreise-Suche, die in Kürze aber wohl auch auf Expedia.de selbst zu finden sein dürfte.

Trotzdem: Pauschalreise-Metasearch macht mächtig Sinn, entweder als Alternative zu klassischen Preisvergleichssystemen oder eben als hübsches Zeugnis dafür, dass diese Systeme ordentlich arbeiten und genau deshalb auf Kayak.de stets die gleichen Preise für Veranstalter-Reisen angezeigt werden. Ich bin gespannt, wie sich die Dinge entwickeln.

KOMMENTARE
Es lohnt sich immer zu vergleichen, muss aber nicht immer über ein Portal sein sondern kann auch einfach bei den Veranstaltern sein, einen Flug buch ich eher noch so, aber meine letzten Urlaub nach Ägypten zum Beispiel hab ich rein über FTI gebucht, da musste mehr stimmen. Und ich hab auch gerne Gesamtpakete.
von Andy R., 19.10.12, 22:00
Na endlich! Jetzt hat es auch die FVW zugegeben, dass es defacto Preisunterschiede eben jener Online-Anbieter gibt und schon längst gab. Danke dafür! Im Fall "Unister" hatten Sie sich noch mit der genau gegensätzlichen Meinung mehr oder weniger auf die Seite der Leipziger geschlagen und der ComputerBild-Argumentation vehemend widersprochen! Netter Sinneswandel (wohl aufgrund der jetzt bequem meta-vergleichbaren Fakten?), den seinerzeit sicherlich auch das Gericht interessiert hätte.
von David, 22.10.12, 16:46
Wieso Sinneswandel, lieber Halb-Anonymus? Vorsorglich hier noch mal zu Ihrer Erklärung: Es gibt bislang keine Preisunterschiede bei einzelnen Pauschalreisen, lediglich in Einzelfällen im Sortiment. Schauen wir, was die Zukunft bringt.
von Dirk Rogl, 22.10.12, 17:10
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