Google allein zu Haus
Google ist immer für eine Überraschung gut. Ebenso plötzlich wie der Launch von Google Plus kam vor ein paar Tagen die Ankündigung, dass ab sofort keine externen User-Bewertungen mehr in den Places-Profilen auftauchen werden. Das bleibt nicht ohne Folgen.
Demnächst sind auf den Place-Pages nur Kommentare zu finden, die bei Google selbst hinterlegt wurden – entweder direkt in Places oder bei Hotpot. Zunächst irritiert diese Entscheidung. Denn Google kappt damit den Löwenanteil der Reviews ab. Die Suchmaschine hat bisher nur eine Bruchteil der in den Places-Profilen veröffentlichten Bewertungen selbst beigesteuert. Für den User bedeutet das, er verliert von heute auf morgen auf einen Schlag bis zu 90 Prozent der Bewertungen eines Hotels, wie ich bei Stichproben festgestellt habe. Wie passt das zu der Nutzer- und Relevanzorientierung, die Google bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenartig wiederholt?
Google wäre nicht Google, wenn es dafür nicht eine plausible Erklärung geben würde. Die Veränderungen bei Places darf man nicht isoliert betrachten. Sie machen nur im Gesamtzusammenhang Sinn. Alle Schritte, die Google derzeit unternimmt, zielen darauf, die Personalisierung der Suche weiter voranzutreiben. Die Zeiten, in denen jeder Nutzer bei identischer Eingabe in den Suchschlitz auch die exakt gleichen Ergebnisse bekommen hat, sind bald endgültig passé. Nach der Facebook-Like-Logik wird auch bei Google immer wichtiger, welche Seiten den eigenen Freunden gefallen, welche man selbst schon einmal bewertet und kommentiert oder auch weiter empfohlen hat. So können sich die Suchergebnisse auch bei den gleichen Suchbegriffen massiv voneinander unterscheiden.
Dieser massive Umbau der Suchlogik funktioniert aber wahrscheinlich nur, wenn Google ausschließlich eigenen Content verwendet. Die fremden Textschnipseln, etwa von Tripadvisor, Holidaycheck oder Qype, lassen sich offenkundig nicht mit dem Google-System verknüpfen und in die Suchlogik integrieren. Vielleicht gibt es aber auch schlicht ein Urheberrechtsproblem, oder die Portale haben ihr Veto gegen das Ausschlachten ihres Contents eingelegt. Das bleibt allerdings Spekulation. Aber schließlich hat schon die Auseinandersetztung zwischen Google und Tripadvisor gezeigt, wie gefährlich für Google eine Abhängigkeit von externen Inhalten sein kann.
Was bedeutet das Ganze jetzt für die Hotels? Für sie wird das Google-Ranking noch mehr als bisher zu einem Lotteriespiel. Denn zurzeit ist nicht klar, in welcher Form sich die Google-Bewertungen auf die Platzierung der Place-Page in der organischen Suche auswirken. Die reine Anzahl der Kritiken scheint derzeit nicht entscheidend zu sein, denn unter den top-gelisteten Place-Pages etwa für das Keyword „Hotel Hamburg“ finden sich auch Hotels mit lediglich zwei oder drei Bewertungen. Die Bewertungen seien nur eines von mehreren Kriterien, unterstreicht denn auch ein Google-Sprecher gegenüber der fvw.
Für viele Diskussionen wird sicherlich auch die Überprüfungs-Praxis der Google-Bewertungen sorgen. Schon bei der Einführung der Place-Pages und von Hotpot brandete eine breite Kritikwelle auf, was die Qualität der Bewertungen angeht. Die ebbte dann in der Folge ab, dürfte jetzt aber wieder anschwellen. Denn nach wie vor ist unklar, wie Google Fake-Bewertungen aussortieren will.
Google lässt durchblicken, dass das Unternehemn auch in diesem Punkt komplett auf ihre Software-Ingenieure setzt. Ausgefeilte Algorithmen sollen Manipulationen schon im Keim ersticken. Zudem können Hotels negative Kritiken kommentieren und auf Bewertungen hinweisen, die gegen die Kommentar-Richtlinien von Google verstoßen.
Ob das in einer Zeit ausreicht, in der sich selbst Bewertungsprimus Holidaycheck trotz einer 60 Mitarbeiter starken Überprüfungsabteilung derzeit massiver Kritik ausgesetzt sieht, ist zumindest diskutabel. Oder wie sehen Sie das?



Google weiss vieles, Yahoo ebenfalls. Genauso Facebook. Holidaycheck und andere Portale, aus denen sich Google "natürlich" gern bedient (hat). Aber jeder hat halt nur einen Teil der persönlichen Einblicke.
Die "Datenkrake" Google aber will alles zusammenführen, natürlich "nur" zum Besten für den Nutzer... Ach nicht??? Ach so...?
Ja, wir werden "gläserne Nutzer", aber bei der Masse an Daten braucht es massenhafte Automatisierung um "geheuchelte Individualisierung" zu erreichen. Ein einzelnes Profil ist da verhältnismäßig sicher. Bis die Behörden und Geheimdienste das als Datenquelle misbrauchen. Von Hackern wollen wir da mal noch gar nicht reden. Und gerade hat Sony einen solchen GAU hinter sich.
Und da liegt das "Problem Google". Nicht bei Google selbst, aber bei der Frage, wer hat eigentlich Zugriff auf "meine" Infos???
Übrigens: Der Begriff "Datenkrake" wurde seinerzeit für einen anderen Konzern erfunden: Microsoft. Nur dass wir das nicht vergessen, es gibt noch andere, die auf anderen Wegen das gleiche Ziel anstreben.
Benötigt der Kunde für die Auswahl des individuell passenden Hotels nicht eher spezifische und auch differenzierte Informationen um Sicherheit für seine Entscheidung zu bekommen?
Die spontanen und recht allgemeinen Bewertungen auf Places mögen sinnvoll für "Places" sein wie Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder andere POIs.
Jedoch wird Google es schaffen, individuell relevanten Content dem Nutzer präsentieren zu können, der den unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen der Reisenden gerecht wird?
Wenn ich im September dort bin wirds wohl was geben, warum ich "einchecken" soll, mit Google Latitude. Und nach einem hoffentlich schönen Abend bekomme ich vielleicht "Rewards" wenn ich ein paar Bilder auf picasa, Videos auf Youtube oder einfach ein paar Reviews meiner Erlebnisse teile.
Überrascht bin ich vor allem, wie einfach und vor allem mit welcher "user experience" entlang eines planungs-transaktions-aufenthalts-after travel Prozesses mir die einzelnen Tools eines einzigen Anbieters helfen.
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