Denn sie wissen nicht, warum sie kaufen
Apple beherrscht die Schlagzeilen: Die Quartalszahlen sind trotz der Negativ-Presse über das Iphone 4 bombastisch. Die Gadgets mit dem angebissenen Apfel verkaufen sich wie geschnitten Brot. Ein Beratungsunternehmen korrigiert seine Verkaufsprognose für das iPad drastisch nach oben. Und ein Marketing-Experte erklärt, warum eigentlich keiner das iPad braucht.
Aber der Reihe nach. Das Ipad ist eine der erfolgreichsten Produkteinführungen der Wirtschaftsgeschichte. In einem Quartal hat Apple davon etwa 3,27 Mill. Stück verkauft. Das nimmt solche Dimensionen an, dass Apple sogar mit dem Produzieren nicht mehr nachkommt. Und der kleine Spaßmacher sorgte laut dem Handelsblatt für 2,1 Mrd. Dollar Umsatz und trug knapp 13 Prozent zum Gesamtumsatz bei.
Diese Zahlen haben wohl auch die Marktforscher von ISuppli beeindruckt. Sie hatten schon kurz nach der Markteinführung sportlich prognostiziert, dass in diesem Jahr 7,1 Mill. Ipads verkauft werden. Da jetzt schon fast die Hälfte erreicht sind und das Weihnachtsgeschäft noch nicht einmal in Sichtweite ist, haben sie ihre Prognose schnell nach oben korrigiert. 12,9 Mill. flache Apple-Flundern werden es sein, die über die Ladentheke gehen oder in die Paketstationen wandern, so orakeln die Forscher. Für 2011 sagen sie schon 36,5 Mio., für 2012 gar 50,4 Mill. Verkäufe voraus.
Bei diesem ganzen Hype geht fast unter, dass sich viele immer noch fragen, wofür man das Ipad jetzt eigentlich wirklich braucht. „Die Form der Nutzung, die das Ipad bietet, wird eine ganz neue Generation von Geräten erschaffen“, sagt zum Beispiel Accenture-Berater Nikolaus Mohr im Handelsblatt bedeutungsschwanger.
Das haben vor ihm schon viele andere gesagt, und die Quintessenz war immer die gleiche: Das Ipad ist ein „Lean back“-Gerät, auf dem man digitale Inhalte konsumiert. Für die Arbeitswelt ist es eigentlich nur als Präsentationsgerät zu gebrauchen. Oder eben als Emotionsverstärker in den Reisebüros (Aida lässt grüßen).
Umso erfrischender ist es, wenn dann mal jemand das ausspricht, was viele denken, aber sich nur wenige zu sagen trauen. „Leute, die sich ein Ipad kaufen, wissen oft gar nicht wofür. Mit rationalem Kalkül hat das nichts zu tun“, behauptet Marketing-Experte Markus Giesler in der taz. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er macht seit Jahren Studien mit Apple-Kunden. Und hat dabei Erstaunliches herausgefunden:
- Die technische Leistungsfähigkeit ist für den typischen Applekunden nicht entscheidend.
- Es geht um emotionale Benefits: Welchen Nutzen schaffe ich mir durch den Besitz eines Apple-Produkts für meine eigene Identität?
- Apple-Nutzer umweht immer noch das Gefühl, an einer Revolution teilzunehmen. Das stammt aus den 80ern, als es gegen Microsoft und den PC ging. Auch wenn Apple heute selbst zum Teil wie Microsoft damals auftritt.
Und schließlich stellt Giesler noch fest, dass Steve Jobs Selbstinszenierung „klar religiös eingefärbt“ ist. Ich bin jedenfalls schon gespannt, ob die Apple-Jünger auch bei den nächsten „tollen Produkten“, die ihr Guru Jobs schon angekündigt hat, wieder wie die Lemminge in die Läden laufen. Auch wenn sie gar nicht wissen warum.

Kleine Kinder wollen Spielsachen haben, große Kinder wollen Apple-Produkte. Der Mehrwert ist nicht ausschlaggebend, aber es macht Spaß zu spielen.
Das iPhone ist wohl das am besten entwickelte Pendant zum Kommunikator und das iPad entspricht wohl am Meisten dem Stück "Plastik" dass man den Kapitänen der Enterprise mit den Worten hinhielt: "Sir, ein Kommunique der Sternen Flotte" oder "Schau selbst Jim, ich glaube er ist tot".
Die Käufer des IPad stammen aus der Enterprise-Generation. Da zählt die Faszination, nicht der Preis oder der Nutzen. "Lebe lang und in Frieden"
BTW seit ich das iPhone und auch das iPad besitze, habe ich den normalen Rechner zu Hause nicht mehr angemacht und Flash vermisse ich nicht! Es ist sicherlich kein absoluter Laptopersatz, jedoch mit ein bischen "goodwill" kann man fast alles damit erledigen! ;)
Dann doch lieber ein einfaches (wenn auch teures) Gerät mit klarem Nutzen, als Geräte die einzig durch die Technik und deren Parameter (MhZ, Ram etc.) bestechen, und nur deswegen gekauft werden. Warum haben also hundertausende Menschen einen ganzen Computer nur dafür um zu surfen? Dann braucht man auch keinen 10 Euro-Toaster – der ja, analog zum iPad, eigentlich gar keinen Nutzen hat – weil ja der Toast auch im 200-Euro Ofen irgendwann mal kross wird, und man den Ofen ja sowiso hat, das kleinere Gerät also nicht braucht.
Aber der Höhepunkt dieser digitalen Kommunikation ist, wenn der Tischnachbar auf sein eigenes IPad schaut, wo die Nachricht gerade eingetroffen ist, sich dann über das IPad des Absenders beugt, um sich zu vergewissern, was bei ihm steht.
Will sagen: Wir haben alle noch unsere ursprünglichen Reflexe, versuchen diese aber in eine Welt zu adaptieren, die jenseits unserer Erlebbarkeit liegt. Ich frage mich, wie wir uns verändern werden, und ob wir nicht irgendwann einen Chip implantiert bekommen, der uns vom Konsumzwang insofern entlastet, dass wir uns nur noch gelegentlich die jeweils neue Software für unser Hirn zulegen müssen.
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