Sind Sie auch ein Blindbucher?
Die Welle der TV-Werbung von Reiseportalen rollt unaufhörlich weiter. Nach einem kurzen Test Anfang des Jahres geht jetzt auch Holidaycheck in die Vollen und startet eine Reihe von fünf TV-Spots. + Update: De Höhner singen (für) "Ab in den Urlaub"
„Du Blindbucher!“ schleudert die offensichtlich hysterisch veranlagte dunkelhaarige Zicke ihrem dickbäuchigen Mann, der sich schon mal abduckt, entgegen. In zehn Sekunden erzählen die fünf neuen Holidaycheck-TV-Werbespots Geschichten, die man im Urlaub lieber nicht erleben will, etwa Backsteinmauer statt Meerblick, Bauarbeiten im Pool statt Badevergnügen oder Fluglärm statt himmlischer Ruhe.
Im Mittelpunkt der kurzen Stories steht das Pärchen Jutta und Hans-Werner. Die Namen haben die über 5000 Fans der Holidaycheck-Page auf Facebook ausgewählt. Und wie es sich für eine gute Social-Media-Kampagne gehört, haben die beiden jetzt unter „Blindbucher“ auch eine eigene Fanpage auf Facebook.
Für die Werbeclips hat Holidaycheck tief in die Psycho- und Klischeekiste gegriffen. Man nehme einen trotteligen Mann und eine Frau mit Haaren auf den Zähnen und lasse sie diverse Urlaubspannen erleben. Eines ist sicher: Wohl kein Mann möchte mit Hans-Werner tauschen, wenn ihm Jutta mit verächtlichem Blick, keifender Stimme und einem Handkantenschlag ein „Blindbucher!“ entgegen schleudert. Die Moral von der Geschichte: Mit Holidaycheck wäre das nicht passiert: „Besser gleich beim Testsieger buchen!“ lautet die Empfehlung am Ende des Spots.
Die Trailer haben das Zeug, zum Kult zu werden – ähnlich wie die Expedia-Clips mit Mirco Nontschew. Überzeichnete, polarisierende Charaktere, ein klarer Plot und vor allem der „Blindbucher“, der sich zum In-Wort entwickeln könnte.
Beim Betrachten der Spots kam mir aber noch ein anderer Gedanke. Der ewig-alte Streit unter Psychologen, wie man Menschen am besten motiviert (oder böse gesagt manipuliert). Indem man ihnen wie Holidaycheck frech den Finger in die Wunde legt („Du Blindbucher, du!“) oder indem man sie, wie der DRV, in einen liebevollen Kokon einhüllt („Reisebüro, wir kümmern uns“).



Viel interessanter finde ich insgesamt das starke Vorpreschen von Holidaycheck als Buchungsplattform. Den Markteintritt haben sie als neutrale Bewertungs-Plattform für Hotels bekommen. Danach (vermutlich mangels alternativen Geschäftsmodell) haben sie eher heimlich Buchungsfunktionalitäten hinzugefügt. Jetzt muss wohl der Umsatz erhöht werden und die Fernsehwerbung soll neue Kunden bringen.
Hat bisher ein Reisebüro-Mitarbeiter seinem unsicheren Kunden empfohlen, sich über das Hotel genauer auf Holidaycheck zu informieren, wird er das künftig immer weniger machen, da er davon ausgehen muss, dass der Kunde durch die Fernsehwerbung so sehr infiltriert ist, dass er dort auch direkt bucht.
Jedenfalls verliert nun Holidaycheck für mich komplett die Neutralität als Bewertungsportal (auch, wenn sie vielleicht nie vollständig gegeben war).
Eines ist sicher und da möchte ich Herrn Maletzki zustimmen: den Status eines unabhängigen Bewertungsportals hat holidaycheck.de damit endgültig verloren und positioniert sich eindeutig als Online Reisebüro.
Da stationäre Reisebüros USPs haben, die im Internet nicht kompensierbar sind, wird die Nachfrage für beide Buchungsmöglichkeiten bestehen bleiben.
Ich hoffe ich konnte ein wenig aufklären, wo es vielleicht Bedarf gab und wünsche allen einen guten Start in die Woche.
http://www.emimusic.de/hoehner/news/2617
Vielleicht ist das die Vorgehensweise von Herrn Hoffmann, selbst zum Nicht-Touristiker zu werden. Wundern würde es mich bei solchen Kommentaren nicht.
Mir fehlt hier irgend wie jeder Bezug zur Realität...
Ich stehe dazu, mich nicht auf Diskussionen einzulassen, wo es was billiger gibt, welcher Fußballer wieviele Rabattmarken austeilt, wer wohin upgradet oder, mit wem man schlafen muss, um fast kostenlosen Urlaub zu ergattern.
Und ich stehe zu unseren Kunden, die nicht diese Denke im Kopf haben, wie billig ein Medikament sein muss, damit es gesund macht, oder, wie billig ein Urlaub sein muss, damit man sich erholt! Ich mag Menschen, die sich noch die Relationen bewahrt haben, die über viele Generationen gültig gewesen sind, die gerne ihr Steak beim Biometzger einkaufen oder einfach denken, dass es nichts ist, was nichts kostet.
Solche Leute sind gerne bei uns im Reisebüro gesehen. Und, Sie haben völlig recht, die Anderen, die mögen wir wirklich nicht. Da müssten wir schon Konzilianz heucheln!